Am 19. Juni 2017 sind in Portugal durch die Hitze einige Waldbrände ausgebrochen. Die Wälder in Portugal gaben lange keine Feuerpause. Im Kampf gegen Grossbrände in den Distrikten Castelo Branco und Santarém sowie bei Coimbra waren am Montag 19.06.2017, rund 1000 Angehörige der Feuerwehr im Einsatz. Unterdessen haben die verheerenden Brände, die im Juni rund 200 Kilometer nördlich von Lissabon um die Kleinstadt Pedrógão Grande wüteten, ein makabres Nachspiel. Was bei der Bekämpfung falsch lief, soll noch eine Kommission von Fachleuten klären. Für Wirbel sorgt derweil die Frage, wie viele Personen beim Feuer überhaupt ums Leben kamen.

Offiziell verloren 64 Personen ihr Leben, die meisten in ihren Autos auf der Flucht vor dem Feuer über die seitdem als «Strasse des Todes» bekannten Nationalstrasse 236. Über ein 65. Opfer berichtete die Wochenzeitung «Expresso». Eine Witwe sei beim fluchtartigen Verlassen ihres Hauses von einem Auto erfasst worden und ums Leben gekommen, aber eben nicht durch Verbrennungen oder Einwirkung von Rauch. Also werde sie nicht als Brandopfer gezählt.

Möglicherweise haben über 80 Personen den Tod gefunden, meldet die Zeitung «i» unter Berufung auf eine Unternehmerin, die betroffene Familien unterstützt habe. Im Kontakt mit ihnen habe sie mehr Namen von Todesopfern zusammengetragen als der Staat. Ein Abgleich mit dessen Liste ist aber nicht möglich, weil diese, wie Innenministerin Constança Urbano de Sousa am Montag sagte, dem Justizgeheimnis unterliegt. Sie bestritt die Existenz irgendeiner «geheimen Liste» von Todesopfern. Erfasst würden Personen, die «in direkter Folge» des Feuers das Leben verloren hätten.

Von Groll und Ressentiments am Ort der Tragödie berichtet derweil Nádia Piazza, die beim Feuer ihren fünfjährigen Sohn verlor, in einem offenen Brief. Sie und andere Hinterbliebene wollen eine Vereinigung gründen, um ihre Interessen zu vertreten. «Der Staat hat versagt», urteilte die trauernde Mutter, zumal auch diese Tragödie mehr als absehbar gewesen sei. Sie sah das Landesinnere als ein «Pulverfass».

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