Ein kräftiges Tiefdruckgebiet wanderte am Sonntag 29.04.2018 im laufe des Tages durch Frankreich und BeNeLux von Süd nach Nord. Zwischen dem Tief und einer Warmfront über den Norden Deutschlands wurde aus Südost warme und feuchte Luft advektiert (WLA) und es baute sich Energie auf, die potentiellen Gewittern zur Verfügung standen.  In diversen Modellparametern war eine sehr starke Richtungsscherung mit der Höhe simuliert, was in Verbindung mit anderen Parametern ein Setup für eine Schwergewitterlage darstellte. Mögliche Tornados waren auch berechnet und so sollte es auch kommen.  In der Vorbereitung zu unserem Chase haben wir die Karten studiert und sind dann am Vortag bis nach Düren gefahren um dort im Posthotel zu übernachten. 

Das Estofex-Team (European Storm and Forecast Experiment) hatte für die betroffene Region ein Level 2 mit folgender Synoptik herausgegeben: 
A northward surging warm front stretches a warm sector over S-Germany, which features rather low BL moisture beneath a northward fanning Alpine EML plume. Maximized BL moisture occurs along the synoptic scale fronts, e.g. the warm front. Isolated CI is anticipated over S-/E-Germany, mainly driven by the orography. 15 m/s DLS with 400-800 J/kg MLCAPE (regionally up to 1000 J/kg) support organized multicells with localized hail, heavy rain and downbursts. Laid-out outflow boundaries by elevated storms the night before may also serve as foci for spotty CI.

As the synoptic forcing arrives during the evening from the south, scattered warm sector convection erupts over E-France, which spreads north. Dependent on the depression’s placement, a spatiotemporal overlap of strong shear (20 m/s 0-6km, similar 0-3 km shear and 200 J/kg SRH3) , gradually diminishing weakly capped 0.5 to 1 kJ/kg MLCAPE and augmented LL shear exists. Initial storms pose a supercell risk with large hail, severe wind gusts and an isolated tornado threat. Overall shear vectors remain aligned near parallel to the eastbound moving cold front, so rapid clustering is forecast – swaths of severe wind gusts are possible with a rather dry/well mixed subcloud layer and enhanced 0-3 km flow. Any MCS could push further north as currently anticipated (e.g. all the way towards far S-North Sea). Again, outflow boundaries, laid-out by morning convection could push the risk for CI further east than currently anticipated in numerical guidance.

During the night, an ongoing occlusion process beneath intense upper divergence creates a supportive environment for slow moving/temporal training clusters over NW-Europe with an extensive rainfall risk (beside an ongoing but gradually diminishing hail and severe wind gust threat). During this time-frame, localized CI is also possible over N- and NE-Germany along the northward sliding warm front with adequate shear/MUCAPE for a localized large hail event.

Am nächsten Tag hatten sich erste Zellen in Frankreich gebildet, deren Zugbahn nur sehr schwer einzuschätzen war. Wir haben uns somit zwischen Jeprelle und Liège auf einem Feld stationiert. Bereits schon ziemlich früh warteten wir auf die weitere Entwicklung der Gewittersysteme. Im Laufe des morgens gesellten sich dann noch andere Stormchaser aus Deutschland und Belgien zu uns. Gemeinsam haben wir die aktuelle Lage analysiert ehe wir uns dann aufgeteilt haben.

Das erste Gewitter zog allmählich in unsere Richtung. Die Niederschlagsmengen waren enorm und wir hatten Starkregen sowie Sturmböen bis 100km/h abbekommen. Die Zelle schwächte sich allerdings wieder etwas ab. In der gleichen Zeit haben wir von einem Chaserkollegen die Info bekommen, dass es in Frankreich einen Tornado gegeben hätte. Er hatte dies auch gleich fotografieren können (Copyright des Bildes bei ChroniquesChaotiques via Twitter):

Zwischenzeitlich haben wir uns entschlossen dem Gewitterkomplex via Luxemburg entgegen zu fahren. Es hatten sich bisweilen mehrere Superzellen gebildet die sehr heftigen Niederschlag, Sturm sowie Hagel brachten. Aufgrund des Niederschlages war es kaum Möglich für uns ein paar Blitze fotografieren zu können. Die Ausbeute ist relativ klein, jedoch mussten wir auch schnell vor der Zelle unter einer Tankstelle Schutz suchen. Diese war 5.5km von unserem Standort entfernt. Es war eine knappe Angelegenheit, denn kaum waren wir unter der Tankstelle begann es schon zu Hageln. Die Korngrösse war 4cm und grösser.

Ganz am Schluss gab es noch ein paar intensive Blitze ehe sich dann das System aufgelöst hatte. 

 

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